Da wo die Aare ungefähr eine Stunde unterhalb Thun einst im breiten Ueberschwemungsbett von der
rechten zur linken Seite des Tales hinüberwechselte und dieses fast in seiner ganzen Breite sperrte,
erhob sich auf einem, vom benachbarten Hügelplateau im Südwesten durch einen der alten Bern -
Thunstrasse gerade noch Durchpass gewährenden Einschnitt getrennten, andererseits dicht ans
Flussufer stossenden Felsklotz die einstige Feste Uttigen. Die Ansicht von Albrecht Kauw vom Jahre
1680 lässt uns den Charakter und die Grösse der ehemaligen Burg, die damals noch als imposante
Ruine dastand, gut erkennen. Auch eine Zeichnung Sigmund Wagners von ca. 1830 zeigt noch
ansehnliche Mauerreste.
Wer die Ruine heute besucht, ist besonders durch die Weiträumigkeit der einstigen Anlage überrascht,
umfassen doch ihre heute noch in einigen Teilen erhaltenen Ringmauern einen weiten, beinahe
quadratischen Raum von 3 - 4 Jucharten. Nocherheben sich die Mauern, namentlich auf der
Aussenseite, stellenweise bis zu 10m über den gewachsenen Boden, besonders gegen Süden und
Südwesten. In der Südwestecke sind noch die mächtigen Fundamente des Bergfrieds zu erkennen, der
auf der Darstellung Kauws noch bis über das erste Geschoss hinauf aufrecht steht und an den sich
eine Reihe von Wohnbauten anschlossen. Den Felsabfall gegen die Aare beherrschte ein mächtiges
halbrundes Bollwerk. Wie so viele andere Burgruinen, so diente auch Uttigen in sehr willkommener
Weise den Dorfbewohnern als Bezugsquelle soliden Baumaterials. So sollen noch zu Beginn des
letzten Jahrhunderts der Burgruine die Steine für den Schulhausneubau entnommen worden sein.